Mayana-Trip 2026 [🇩🇪]
Morokeni!
nach vielen Jahren war es endlich wieder so weit: Ende Juli machte sich ein MCP Friends Team auf den Weg nach Mayana. Für die Vorsitzende Katharina und den Kassenwart Andreas war es ein Wiedersehen nach vier Jahren, für Sabine sogar nach zwölf Jahren. Florian war zum ersten Mal dabei und konnte Mayana, die Menschen und unsere gemeinsame Arbeit dort ganz neu kennenlernen.
Nach einer langen Autofahrt wurden wir vom Team der Mayana Meho Foundation (MMF) herzlich am MCP Guest House empfangen. Am Abend gab es ein traditionelles Essen mit “Pap” (Hirsebrei), Gemüse und Sardinen – und vor allem viel zu erzählen. Es war schön, vertraute Gesichter wiederzusehen und gleichzeitig diejenigen persönlich kennenzulernen, mit denen wir bisher vor allem über Telefonkonferenzen Kontakt hatten.
Schon am nächsten Morgen wurde uns klar: In Mayana hat sich einiges getan!
Wasser verändert das Leben
Die vielleicht wichtigste Veränderung konnten wir gleich bei unserem von Joseph Mbamba geführten Rundgang durch das Dorf sehen: Eine Wasserleitung führt inzwischen vom Okavango bis zu den Feldern. Die Pumpe wird mit Solarstrom betrieben. Auf den Feldern wird inzwischen mit Sprinklern und Tröpfchenbewässerung gearbeitet. Dadurch ist die Landwirtschaft weniger abhängig vom Regen. Neben Hirse können nun auch Gemüse (vor allem Bohnen, Zwiebeln und Kohl).
Blick über die bewässerten Felder
Im zum Bewässerungsprojekt gehörenden Community Garden haben wir verschiedene Obstbäume gepflanzt: Bananen, Guaven, Papayas und Mangos.
Die Setzlinge haben wir in der Baumschule des Ministry of Agriculture, Water & Forestry in Rundu erworben. Die Pflanzlöcher hatte Josephs Sohn Gerhard bereits am Vortag ausgehoben – zum Glück! Denn auch am frühen Morgen war die Sonne schon kräftig und der Boden hart. Jetzt hoffen wir, dass die kleinen Bäume gut anwachsen und irgendwann die Kindergartenkinder mit frischem Obst versorgen.
Katharina und Joseph pflanzen eine Obstbaum. Hoffentlich wächst er an,
wie dieser Bananenbaum in der Nähe.
Natürlich bleibt die Landwirtschaft weiterhin eine Herausforderung. Zu späte Regenfälle oder Heuschrecken können eine Ernte schnell gefährden. Aber wir konnten sehen, dass sich mit viel Engagement und neuen Ideen etwas bewegt.
100 Kinder – und eine große Portion Erdnussbutter
Ein Thema, das uns immer beschäftigt, ist die ausreichende und ausgewogene Ernährung der Kindergartenkinder.
Erdnussbutter ist in unserem Schulspeisungsprogramm eine wichtige pflanzliche Proteinquelle zur Vorbeugung von Mangelernährung, aber sie muss gekauft werden und ist teuer. Deshalb haben wir gemeinsam mit dem MMF-Team überlegt, ob es Alternativen gibt, die vor Ort hergestellt werden können – zum Beispiel Aufstriche aus Bohnen oder Kuhbohnen, kombiniert mit Moringa.
Nun soll ausprobiert werden, was sich im Alltag tatsächlich bewährt und was den Kindern schmeckt.
Damit die Kinder trotzdem sofort gut versorgt sind, haben wir zunächst eine große Menge Erdnussbutter im Supermarkt in Rundu gekauft die für rund 100 Kinder aber leider nur bis Mitte dieses Monats reichen wird.
Frühstück im Kindergarten: Hier werden Eier aus unserem Hühnerhaus-Projekt verteilt
Hand anlegen statt nur darüber reden
Überhaupt war unser Aufenthalt eine gute Mischung aus Gesprächen, Planen und ganz praktischer Arbeit.
Am Kindergarten gab und gibt es immer noch einiges zu verbessern. Die Behörden stellen nach der Anerkennung des Kindergartens zunehmend Anforderungen an Gebäude und Ausstattung. Auch der Spielplatz sollte verbessert werden.
Die Schaukeln bekamen neue Sitze aus alten Reifen und stabilere Ketten. Und dann entstand etwas Neues: eine Wackelbrücke.
Pfostenlöcher in den harten Boden zu graben, Querbalken zu befestigen und anschließend Reifen anzubringen, war bei der Hitze durchaus schweißtreibend. Aber als die Brücke fertig gebaut und gestrichen war, war die Anstrengung schnell vergessen.
Die Lehrerinnen und Joseph machten die Qualitätskontrolle
und bestanden wurde sie offenbar mit Bravour.
Manchmal braucht es eben nicht viel: ein paar Reifen, etwas Holz, Farbe, gemeinsames Anpacken – und ganz viele strahlende Kinderaugen.
Es geht um Menschen
Die nächste Herausforderung für die kommende Zeit wird die von den staatlichen Inspektoren aufgestellte Forderung nach einem Anschluss des Kindergartens an fließendes Wasser sein.
Bei unseren Gesprächen ging es auch um weniger einfache Themen:
So beschäftigen uns weiterhin die ausstehenden Elternbeiträge (35 NAD = ca. 2 EUR) je Monat) für den Kindergarten. Das MMF-Team hat bei einem Meeting mit den Eltern, an dem auch wir teilnehmen durften, vereinbart, dass die Beiträge künftig jedes Trimester im Voraus (sozusagen als Einschreibegebühr) bezahlt werden müssen. Ansonsten werden die Kinder wieder nach Hause geschickt.
Warum sind die Elternbeiträge so wichtig? Von den Beiträgen werden die Lehrerinnen bezahlt. MCP darf aus rechtlichen Gründen keine Gehälter zahlen. Ohne die Beiträge der Eltern kann der Kindergarten also nicht dauerhaft nachhaltig betrieben werden.
Auch beim Handarbeits-Projekt Sit & Knit gab es Gesprächsbedarf. Unterschiedliche Vorstellungen über die Pullover für die Kinder (passende Größen und Aussehen) und einige Kommunikationsprobleme zwischen den Lehrerinnen und den Strickenden hatten auf beiden Seiten zu Unzufriedenheit geführt.
Für uns war bei den Gesprächen wichtig: MCP möchte Menschen in Mayana die Möglichkeit zu geben, mit ihren Fähigkeiten zur Gemeinschaft beizutragen und etwas Eigenes aufzubauen. Es geht nicht darum, möglichst billig in Fern-Ost hergestellte Kleidung einzukaufen. Aber natürlich müssen insbesondere die Pullover den Kindern passen.
Sabine konnte Martha, die das Sit & Knit Team leitet, anschließend ein paar Tipps aus ihrer eigenen Strickerfahrung mitgeben. Außerdem haben wir ein Kursangebot in der Nähe gefunden, um Fertigkeiten im Stricken zu verbessern. Die Möglichkeit der Anschaffung und des Einsatzes einer Nähmaschine soll erwogen werden.
Junge Menschen mit Ideen für ihre Zukunft
Besonders gefreut hat uns ein anderes Gesprächsfeld: junge Menschen in Mayana, die sich Gedanken über ihre berufliche Zukunft machen.
Die Situation ist schwierig. Viele gut ausgebildete junge Menschen finden nach Studium oder Ausbildung keinen Arbeitsplatz, die Jugendarbeitslosigkeit in der Region liegt bei über 60 %. Einige wollen deshalb selbst etwas aufbauen.
Die Ideen reichen von einem Nachhilfezentrum und Computerkursen bis hin zu einer stärkeren Nutzung des MCP Guest House für Reisende.
Was uns daran besonders beeindruckt hat: Die jungen Menschen wollen ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen und gleichzeitig etwas für ihre Gemeinschaft tun.
Business-Plan-Workshop im Centre
Doch eine gute Geschäftsidee allein reicht nicht. Viele wissen nicht, wie man daraus einen Businessplan entwickelt. Deshalb haben wir kurzerhand einen kleinen Workshop organisiert. Trotz der kurzen Vorbereitungszeit kamen neun Interessierte. Gemeinsam haben wir darüber gesprochen, was zu einem Businessplan gehört und wie aus einer Idee ein tragfähiges Vorhaben werden kann. Vielleicht war dieser Nachmittag der Anfang von etwas Neuem. Wir sind gespannt!
Zu Gast beim Dorfoberhaupt – und bei der Hompa
Natürlich durfte auch bei diesem Besuch ein Treffen mit Berthold, dem Dorfoberhaupt, nicht fehlen. Er begleitet und unterstützt die Arbeit von MCP und MMF schon seit vielen Jahren und ist immer neugierig darauf, was wir vorhaben.
Ein ganz besonderes Erlebnis war dann die Audienz bei Hompa Sofia Mundjembwe Kanyetu, der Königin der Shambyu.
Joseph hatte dieses Treffen für uns organisiert. Es war etwas Besonderes, unsere Zusammenarbeit mit MMF persönlich vorstellen und die Broschüre zum zehnjährigen Bestehen von MCP überreichen zu können.
Für die Audienz wurden Katharina und Sabine von Josephs Frau Martha mit einem traditionellen Tuch ausgestattet. Auch das war ein schönes Zeichen der Gastfreundschaft.
Fotografiert wurde während der Audienz übrigens nicht – das wäre unangemessen gewesen. Manche Begegnungen bleiben eben einfach als persönliche Erinnerung.
Abschied mit dem Gefühl: Wir kommen wieder
Die zehn Tage in Mayana vergingen viel zu schnell.
Wir haben vieles besprochen, manches praktisch umgesetzt und vor allem sehr viele Gespräche geführt. Dabei haben wir neue Einblicke gewonnen und besser verstanden, wo die Chancen, aber auch die Schwierigkeiten der verschiedenen Projekte liegen.
Und genau dafür sind solche Besuche so wertvoll.
Denn so wichtig unsere regelmäßigen Telefonmeetings sind: Ein persönliches Treffen kann durch nichts ersetzt werden.
Man muss gemeinsam durch den Garten gehen, die neuen Bäume anschauen, mit den Lehrerinnen sprechen, zusammen einen Spielplatz bauen, mit jungen Menschen über ihre Ideen diskutieren und am Abend bei einem gemeinsamen Essen sitzen.
Das schafft Nähe. Es schafft Verständnis. Und es gibt uns neue Energie für die weitere Zusammenarbeit.
Wir sind mit vielen schönen Erinnerungen aus Mayana zurückgekommen – und mit vielen Ideen im Gepäck. Wir danken allen Mitgliedern und Unterstützer*innen von Herzen, die diese Arbeit möglich machen und hoffen auf weitere Unterstützung!
Wir hoffen auf ein Wiedersehen!
Herzliche Grüße
Katharina, Andreas, Sabine und Florian